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Der Programmbaum und seine Elemente

Der Programmbaum ist ein durch Wolfgang Beywl und Univation entwickeltes logisches Programmmodell. Sein Einsatz strukturiert Evaluationen und Beratungen. Evaluierende nutzen ihn bei Gegenstandsbeschreibung und Kontextanalyse, Designentwicklung und Kommunikation. Programmverantwortliche prüfen und entwickeln mit ihm die Konzeptqualität ihrer Vorhaben. Sein Einsatz sichert einen hohen Prozessnutzen der Evaluation.
Eine ausführlichere Darstellung finden Sie in Bartsch/Beywl/Niestroj 2016 (siehe unten unter Literatur).

In der folgenden Tabelle finden Sie Erläuterungen und Beispiele zu den einzelnen Elementen des Modells. Die Beispiele in der jeweils folgenden Zeile stammen aus dem Bereich der Beschäftigungsförderung.

Kontext Systemumwelt des Programms auf lokaler bis internationaler Ebene; inkl. rechtlicher, politischer, sozialer, kultureller u. a. Aspekte, die sich langfristig und unabhängig vom Programm selbst ändern

Beispiele

Gesetze wie SGB II, Anteile von Arbeit suchenden Personen an der Bevölkerung einer Region, gesellschaftliches Klima gegenüber Arbeitslosigkeit
Incomes Voraussetzungen, mit denen die Mitglieder der Zielgruppen in das Programm `hinein kommen´, insb. Wissen, Einstellungen, Verhaltensweisen, Bedürfnisse, Werte (evtl. durch Teilnehmendenauswahl beeinflussbar)
Beispiele Lerneingangsbedingungen der Teilnehmenden von Qualifizierungsmaßnahmen (Vorwissen, Motivation etc.) 
Inputs Finanzielle, personale oder andere Ressourcen, die in ein Programm investiert werden, teils als monetäre Kosten erfassbar

Beispiele 

Personal- und Sachaufwendungen, Anzahl und Qualifikation der im Programm Tätigen
Struktur Mittelfristig stabile Aufbau- und Ablauforganisation der das Programm tragenden Organisation, des Verbundes/Netzwerks, Verbands (...) 

Beispiele

Rechtsform, Kapitalausstattung Kooperationsvielfalt, Leitbild der das Programm tragenden Organisation 
Konzept Gedanklicher Entwurf, welche Resultate bis wann/wo/bei wem ausgelöst werden sollen (vgl. Zielsystem), welche Aktivitäten/Interventionen zur Zielerreichung eingesetzt werden sollen (Interventionsplan)

Beispiele

Projekt-/Förderantrag für eine Qualifizierungsmaßnahme oder ein Profiling-Angebot, Curricula für Weiterbildungsangebote etc.
Ziele Gesamtheit schriftlich dargelegter Ziele für ein Programm, ggf. in Form eines Zielsystems auf unterschiedlichen Konkretionsstufen [bspw. Leitziele (LZ), Mittlerziele (MZ), Detailziele (DZ)]. Ziele niedriger Konkretionsstufe sind logisch darauf geprüft, dass ihre Erreichung zur Verwirklichung der Ziele auf einer höheren Stufe beiträgt
Beispiele Ein MZ einer EQUAL-EP: Eltern, die Kinder betreuen, werden durch serviceorientierte Beratungs- und Vermittlungsangebote darin unterstützt, Kinderbetreuung auf ihre individuellen Bedarfe zuzuschneiden.
Wirkannahmen Explizite oder implizite Vermutungen zu programminternen Einflussbeziehungen, welche die Zielerreichung des Programms ermöglichen, begünstigen oder hemmen. Insbesondere Beziehungen zwischen Interventionen und erwünschten Resultaten.
Beispiele Es wird angenommen, dass die Simulation eines Bewerbungsgesprächs in einem Rollenspiel dazu beiträgt, dass Arbeitssuchende sich in realen Bewerbungssituationen angemessen präsentieren können. 
Aktivitäten Handlungen der im Programm beruflich, ehrenamtlich oder als koproduzierende Zielgruppenmitglieder Tätigen, die bei Umsetzung des Programms ausgeführt werden (direkt auf Ziele gerichtete Interventionen, Hilfsaktivitäten sowie Zielgruppenaktivitäten)
Beispiele Interventionen: Beratung...; Hilfsaktivitäten: Teamaufbau, Einarbeiten neuer Mitarbeitender...; Zielgruppenaktivitäten: Lernen, Bewerben...
Outputs Durch die Interventionen erzeugte Resultate, wie (zählbare) Leistungen/Produkte, Teilnahme-/Nutzungsmengen, Zufriedenheit der Zielgruppenmitglieder mit den Interventionen
Beispiele Anzahl Teilnehmerstunden, verteilte Informationsbroschüren, Hits auf der Webseite der Organisation, Anzahl Beratungsgespräche
Outcomes Intendierte Resultate von Aktivitäten/Interventionen des Programms bei Mitgliedern der Zielgruppe bzw. Vorteile für diese (staffelbar in kurz-, mittel- und langfristige Outcomes)
Beispiele Erweitertes Wissen, erhöhte Motivation zur Bewerbung, verstärkte Bewerbungstätigkeit, Integration in Arbeitsmarkt
Impacts Resultierende Merkmale sozialer Systeme, insb. von Organisationen (Unternehmen, sozialen Dienstleistern, Schulen...), von Sozialräumen (Nachbarschaften, Kommunen, Regionen...) oder eines Netzwerks im Politikfeld (Weiterbildungssystem eines Bundeslandes...)
Beispiele Verbesserte Zusammenarbeit der Arbeitsverwaltung mit Weiterbildungsanbietern, Ausbau eines bedarfsgerechten Angebots an Beratungsangeboten sowie Qualifizierungsmaßnahmen, bedarfsgerechter ÖPNV für Berufspendler
nicht-intendierte Resultate Resultate, die im Konzept nicht als zu erzielend vorgesehen sind (nicht-intendiert), können auftreten bei Mitgliedern der Zielgruppe wie bei anderen Personen, im Kontext oder in der Struktur des Programms; sind bei Programmbeginn icht voraussehbar und können erst nachträglich als positiv oder negativ bewertet werden
Beispiele Wohn-Attraktivität eines Stadtteils, in dem intensiv Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung betrieben werden, steigt an, dadurch Beeinflussung von Wohnungsmarkt/Mietspiegel


Weitere Beispiele

Die folgenden Dokumente geben Beispiele für die Füllung der Programmbaumelemente aus weiteren Praxisfeldern:

- Stiftungsprogramme

- Demokratieerziehung

 

Nutzung in der Praxis

Im Rahmen einer Fachtagung des DJI-Projekts eXe präsentierten Susanne Giel und Melanie Niestroj den Programmbaum und den Umgang mit ihm in Evaluationsprojekten von Univation. Den Zugang zu den Präsentationen finden Sie hier

Der Programmbaum findet zunehmend Verbreitung auch über die Arbeit von Univation hinaus. Der Tabakpräventionsfonds der Schweiz (TPF) empfiehlt Antragstellenden die Nutzung des Programmbaums zur Konzeptentwicklung und wirkungsorientierten Evaluation der geförderten Projekte, um ein verstärktes Wirkungsmanagement zu etablieren. Mehr Informationen.

Haben Sie den Programmbaum bereits genutzt? Wir freuen uns über Ihre Praxisbeispiele!

 

Literatur

In den folgenden Publikationen finden Sie weitere Informationen zum Programmbaum und zu seinem Einsatz:

Bartsch, Samera/Beywl, Wolfgang/Niestroj, Melanie (2016): "Der Programmbaum als Evaluationsinstrument". In: Giel, Susanne/Klockgether, Katharina/Mäder, Susanne (Hrsg.): Evaluationspraxis. Professionalisierung - Ansätze - Methoden. 2. Auflage. Münster: Waxmann. S. 89-112. (mehr Informationen)

Beywl, Wolfgang/Niestroj, Melanie (2009): "Der Programmbaum. Landmarke wirkungsorientierter Evaluation". In: Beywl, Wolfgang/Niestroj, Melanie: Das A-B-C der wirkungsorientierten Evaluation. Glossar Deutsch / Englisch der wirkungsorientierten Evaluation. 2., vollständig bearbeitete und ergänzte Auflage. Köln. (Download des Artikels)

Beywl, Wolfgang (2006): "Demokratie braucht wirkungsorientierte Evaluation - Entwicklungspfade im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe". In: DJI (Hg.) (2006): Wirkungsevaluation in der Kinder- und Jugendhilfe - Einblicke in die Evaluationspraxis. München: Deutsches Jugendinstitut (DJI) 2006.

Beywl, Wolfgang/Kehr, Jochen/Mäder, Susanne/Niestroj, Melanie (2007): Evaluation Schritt für Schritt: Planung von Evaluationen. hiba-Weiterbildung Band 20/26. (mehr Informationen)

Beywl, Wolfgang u. a. (2003): Wirkungsorientierte Evaluation im Rahmen der Armuts- und Reichtumsberichterstattung. Perspektivstudie. Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS). Köln. (Download)

 

Elemente des Programmbaums zum Download

Programmbaum komplett

Box Aktivitäten

Box Bedingungen

Box Impacts

Box Incomes

Box Inputs

Box Kontext

Box Konzept

Box nicht-intendierte Resultate

Box Outcomes

Box Outputs

Box Plan

Box Resultate

Box Struktur

Box Umsetzung

Box Ziele/Wirkannahmen