Basisinformationen zu den Evaluationsstandards des Joint Committee

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Entstehungshintergrund

Die "Joint Committee-Standards" wurden erstellt und herausgegeben vom US-amerikanischen "Joint Committee on Standards in Educational Evaluation" (JCS). Dieses Komitee gingt 1975 aus einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von drei psychologischen bzw. erziehungswissenschaftlichen Berufsorganisationen hervor, die sich mit der Entwicklung von Standards für Tests beschäftigten. 1981 veröffentlichte das JCS die "Standards for Evaluations of Educational Programms, Projects and Materials". Es wurde einem umfassenden fachöffentlichen Überprüfungsprozeß unterzogen, an dem einige hundert Personen in verschiedenen Arbeitsformen teilgenommen haben. 1989 begann der Revisionsprozeß der damaligen Fassung, der mit ähnlichem Aufwand betrieben wurde und in die heutigen "Program Evaluation Standards" mündete. Das JCS wird getragen und unterstützt von 15 großen, meist nationalen Organisationen. Knapp die Hälfte sind Zusammenschlüsse von Evaluationsnachfragern (z. B. die beiden bundesweiten Organisationen der Schulleiter im Elementar- und im Sekundarbereich). Bei den übrigen handelt es sich um Berufsverbände von Anbietern (darunter die "American Educational Research Association", die "American Psychological Association" und auch die "American Evaluation Association (AEA)"). Die Standards wurden 1994 durch das "American National Standards Institute" (ANSI) anerkannt.

Aufbau

Die "Standards" wurden als 222-seitiges Buch veröffentlicht. In der Einleitung werden zentrale Begriffe definiert (z. B. "Evaluation", "Programm", "Informationen", Beteiligte") und das für alle Standards gültige "Format" wird dargestellt (Titel - Standardformulierung - Überblick - Richtlinien - Häufige Fehler - Beispielfälle). Es folgen Anwendungshinweise und schließlich - in vier Gruppen gegliedert - die Darstellungen der 30 Standards (je drei bis sieben Druckseiten). Der praktische Nutzen des Buches wird gesteigert durch einen ausführlichen Index, ein Glossar sowie nach Phasen des Evaluationsprozesses gegliederte Verweislisten auf die einzelnen Standards.

Reichweite und Zwecksetzung

Die "Standards" sollen die Qualität und Fairneß der Evaluation als Dienstleistung erhöhen, indem sie Anleitung geben für zielgerichtete, professionelle Evaluationen. Sie richten sich ausdrücklich nicht nur an Evaluatoren und Evaluatorinnen selbst, sondern auch an deren Auftraggebende und die interessierte, Evaluationen nutzende Öffentlichkeit. Dem jeweils eigenen Anspruch folgend wird eine möglichst allgemeinverständliche Sprache benutzt, unvermeidbare Fachtermini sind erläutert. Sie wollen eine Beurteilungsbasis für die Überprüfung abgeschlossener und laufender Evaluationen bieten, für die Ausbildung und Sozialisation der professionellen Gemeinschaft Hinweise geben und schließlich auch - eine Voraussetzung für beides - eine gemeinsame Bezugssprache entwickeln.

Die "Standards" richten sich, wie schon ihrem Untertitel ("How to Assess Evaluations of Educational Programs") zu entnehmen ist, auf Evaluationen als systematisch durchgeführte Untersuchungsprozesse. Sie sollen deren Planung, Durchführung und Kritik anleiten. Die letzte dieser drei Teilfunktionen wird durch den in die 94er Fassung neu aufgenommenen Standard G12 "Metaevaluation" unterstrichen, der Hinweise gibt für eine "Evaluation der Evaluation". Die einzelnen Standards sollen einen möglichst hohen Grad von Verbindlichkeit erreichen, wohin mit der Anerkennung durch das ANSI ein wichtiger Schritt getan ist. Der Gesetzgeber und andere für Evaluationen Haushaltsverantwortliche werden aufgefordert, ihre Vergabeentscheidungen für Evaluationsaufträge an den Standards zu orientieren.